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    Melchior Frommel

    Handzeichnungen zum 80. Geburtstag I 01.04.- 07.05.2017
    Ge÷ffnet Sonntag von 14-18 Uhr


    resume

    1937  geboren am 2. März in Münster im Taunus als Sohn des Komponisten Gerhard Frommel (1906-84)


    1947-56  Humanistisches Gymnasium Heidelberg

    1956/57 Lehrjahr beim Maler Karl Rödel (1907-82) in Mannheim                    
    1957-63  Kunstakademie München, Klasse Franz Nagel
    1960  Herbst Studium Glasmalerei bei Margret Bilger und Odilo Kurka im Kloster Schlierbach seit
    1965-73 Kunsterzieher und Deutschlehrer am Gymnasium Laufen an der Salzach, Bayern
    1973-79  an der deutschen Auslandsschule in Thessaloniki, Nordgriechenland
    1979-98  Kunst-, Deutsch- u. Ethiklehrer am Gymnasium Oberhaching bei München
    seit 1998  als Studiendirektor i.R. in Oberschlierbach.

    gallery

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    „Für mich ist Zeichnen ein Trieb. Es dient weniger dem Erkennen als der Vergewisserung. Indem ich das weiße Papier mit Linien, Strichen, Punkten bedecke, ziehe ich eine Spur. Wie des Schifahrers Spur im Neuschnee, die ihm seine Anwesenheit bezeugt. Das Anschauen eines Gesichts beunruhigt und belebt mich. Es zeichnen hat etwas von es festhalten, bannen, es ungeniert anschauen dürfen, vielleicht eine Ersatzhandlung für es küssen, es lieben. Wie Sprechen, Tanzen, Singen, Schreiben ist Zeichnen in meiner Wahrnehmung eine sublime vitale Lebensäußerung. Das Abzeichnen von Dingen steht nicht am Beginn, sondern die Bewegung der Hand, rhythmisch, melodiös, willkürlich. Es ergeben sich Zeichen, Hieroglyphen, sie ähneln Pflanze und Tier, werden zu Mustern. Das Materielle und Formale, Visuelle, auf Wortsprache nicht Angewiesen-Sein. Jede Leonardo-Skizze ein Genuss für das Auge, weil sie locker, elegant und logisch verkürzt ausspricht, was zu beschreiben umständlich wäre. Mein Zeichnen ein ewiges Skizzieren, Andeuten, Stricheziehen, momentanes Erhaschen, Einfangen von Augenblicken.“
    So Melchior Frommel neulich über sein eigenes Zeichnen. Seitdem ich ihn kenne, also seit September 1981, war das Zeichnen immer mit im Spiel. Gespräche, während er zeichnete; Briefe mit Zeichnungen, nicht selten schon auf dem Umschlag, oder auch nur die Spuren früheren und künftigen Zeichnens in fast jedem Zimmer aller Häuser, die er bewohnt und bewohnte: Gläser voller Zeichenfedern, kleine Teller und Schachteln mit Tusche-Gläsern, Blöcke, Zeichnungen an der Wand, Tintenflecken auf den Händen. Ja selbst an jenem 16. September 1981, es muss ein Mittwoch gewesen sein, als sich ein noch namenloser Klassenlehrer der Klasse (5d) vorstellte, tat er das zeichnend, indem er eine Trommel an die Tafel skizzierte, daneben ein „T“, das er dann durchstrich, um es durch ein „F“ zu ersetzen. Ich sehe sie noch vor mir, diese Tambour-Trommel, leicht perspektivisch nach vorne gekippt, zwei Schlägel darüber schwebend, ein Seil in Zick-Zack-Linien um die Rundung geführt. Frommel als Trommel, nur mit F, das hat uns gefallen, und obschon der Mensch, der offenbar so hieß, dadurch ja nicht eigentlich beschrieben war, hatte ich eine ziemlich genaue Idee davon, wer er sein könnte. Wenn ich an Melchior denke, denke ich oft an seine Zeichnungen, von denen mir ungefähr fünf verschiedene einfallen, jede für eine Gruppe stehend: ein alter Grieche, ein Kind aus Schule oder Familie, eine lesende Frau im dazwischenliegenden Alter, ein Platz am Hafen in Griechenland, ein abgegessener Tisch, nichts weit hergeholt, oder weit weggerückt. Ein trautes, ja tröstliches Zwiegespräch mit Menschen und Dingen, und bevor man es noch begreift, hat man damit das Leben vor sich.
                                                                                                                                                                                                                  Golo Maurer
    Zendorf 19, 4551 Ried im Traunkreis | Tel.: +43 7588/6305 | E-Mail: christa@neunzendorf.at